Something's going on...

Es gibt sie wirklich!

Hi ich heiße Nergis Usta, ich bin Regisseurin und die geborene Produzentin… Aus der Not geborene Produzentin.

Ich wollte mit dem ganzen Produzieren nichts zu tun haben. Ich wollte doch einfach nur meine Filme drehen, Themen die mich bewegen filmisch umsetzen. Allerdings habe ich relativ früh gelernt, wenn du „einfach nur deine Filme, deine Themen“ drehen möchtest, musst du sie auch produzieren.

So ist es auch mit PARADISE CALLING.

Somit entschied ich mich selbst auf die Suche nach Geld zu machen.

Ich suchte nach Investoren und fand auch einen. Über eine absolut seriöse Investorenseite fand mich ein Gewisser Samuel O. …. ich erinnere mich nicht mehr an seinen Nachnamen, aber ich erinnere mich genau daran, dass ich dachte: „Es klingt wie Hans Schmidt oder Matthias Müller“, nur klang der Name sehr amerikanisch.

Wir telefonierten, er klang plötzlich so italienisch. Er meinte, er sei ein Investorenvermittler und eine Investorengruppe aus der Schweiz hätte Interesse an dem Projekt. Sie möchten mich in Mailand treffen.

Ich hätte in diesem Moment eigentlich vor lauter Freude in die Luft springen sollen, es war mir aber nicht danach. Vielmehr war ich hin und her gerissen, was ich denn nun machen sollte. Wer nichts wagt, der nichts gewinnt. So flog ich mit meinem Partner nach Mailand.

Uns wurde eine Adresse an einem großen Platz genannt, das Haus mit der angegebenen Hausnummer war grandios groß und sah nur nach Geld und Macht aus. Für einen Bruchteil einer Sekunde sah ich mich auf dem Roten Teppich.

Plötzlich hörte ich meinen Namen, ich drehte mich um und sah IHN. Ein Mann in einem grauen Anzug aus Seide, glänzende schwarze Schuhe, strahlend weiße Zähne, nach hinten gegelte tiefschwarze Haare. Achja, wenn er breit lachte, sah man seine Goldenen Zähne in den hinteren Reihen. Er empfang mich mit einem italieneschen Akzent und offenen Armen. Mir kam das so bekannt vor.

Klar, sowas habe ich oft in Mafiafilmen gesehen, erinnerte ich mich sofort daran. Er zückte seine Visitenkarte. Die Karte war noch sehr warm und der Schriftzug nach ein paar Sekunden verschmiert, gar verschwunden. Wir nahmen Platz, in einem Bistro natürlich.

Er bestellte uns reichlich O-Saft und Sandwiches. Er erzählte fröhlich über das Geschäft seines Chefs, Dr. Sowieso.

Achso, er ist es also nicht der, den wir treffen sollten. Ok, kein Problem, wo wir ja nun schon einmal hier sind…

Ein wenig Warten macht die Sache jetzt auch nicht schlimmer. Ich bekam große Ohren, als ich hörte, dass sein Chef im Diamantengeschäft tätig ist und ebenso für den Diamantentransport von Afrika nach Europa verantwortlich ist. Seitdem die Schweizer Banken strenger kontrolliert werden, möchten sie in Filme investieren.

Die Investmenthöhe würde dabei keine Rolle spielen. Sie können uns auf jeden Fall 2 Mio geben (so war der Film damals kalkuliert), aber genauso könnten sie uns auch 7-10 Mio geben. Bar im Koffer.

Er zuckte sein Handy raus, so ein Knochen aus den 90ern. Ich nenne es Einweghandy.

Er sprach mit seinem Chef und teilte uns mit, dass es bei ihm etwas länger dauern würde, wir könnten aber schon mal in das von ihm gebuchte Hotel gehen und auf ihn warten.

Wir entschieden uns für einen kleinen Spaziergang zu zweit und sollten uns in der halben Stunde nochmal melden. Das taten wir nicht.

Sie riefen uns in einer Stunde an. Das Telefonat lief sehr sachlich ab. Wir sagten, dass wir in Deutschland mit solchen Geldern keinen Film drehen können und sie sagten: „Kein Problem“. Und wir sahen sie nie mehr wieder.

Ich meine wie komisch wäre es denn auch gewesen eine Groteske über Terrorismus mit den Geldern der italienischen Mafiosis zu drehen. Es muss auch andere Wege geben.

4 Comments

Dinah

7. September 2015 at 3:42 - Antworten

Großartig geschrieben! =)

…ich bin dennoch interessiert, ob und wie ihr einen weiteren seriöseren Investoren gefunden habt, denn ich fürchte 2 Mio. € Produktionskosten habt ihr mal eben nich´ so auf Tasch´ ?….

Liebste Grüße aus Hambuuurch ;-)

Nergis

9. September 2015 at 11:28 - Antworten

Liebe Dinah,

nein haben wir nicht :-) Bleib uns treu und du wirst bald erfahren, wie es weiter geht. Versprochen!

Alexander Cartier

15. August 2015 at 22:35 - Antworten

Hey Nergis,

ich hab‘ ohne Scheiss mal Praktikum bei einer Firma in Hollywood gemacht, von der jeder sagte, dass sie Cosa-Nostra-finanziert sein!

Alex

Nergis

29. August 2015 at 21:56 - Antworten

Großartig – hätte ich das Angebot vielleicht doch annehmen sollen? :)

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